Als ich merkte: Ich schaffe die Pflege nicht mehr allein – und was dann geholfen hat
Es war kein großer Knall. Eher viele kleine Momente, die sich über Wochen aufgebaut haben. Erst war es nur „ein bisschen weniger Schlaf“. Dann „nur kurz helfen beim Aufstehen“. Und irgendwann stand ich morgens in der Küche und wusste: So kann es nicht weitergehen. Ich liebe meinen Vater – aber ich kann seine Pflege nicht mehr alleine stemmen.
Wenn Pflege still zur Überforderung wird
Am Anfang redet man es sich schön. „Ich mache das gern.“ „Es geht schon.“ „Andere schaffen das auch.“
Aber Pflege ist nicht nur Zeit. Pflege ist Verantwortung, körperliche Belastung – und emotionaler Druck.
Typische Warnsignale, die viele Angehörige kennen:
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Du schläfst schlecht oder ständig „mit einem Ohr wach“
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Du bist gereizt und fühlst dich schnell schuldig
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Du hast weniger Geduld, obwohl du es nicht willst
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Du sagst Termine ab, weil du nicht wegkannst
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Du merkst: Es wird jeden Monat ein bisschen mehr
Der Moment, der alles verändert hat
Bei uns war es eine Nacht. Mein Vater wollte aufstehen, er war verwirrt, hat nach seiner Mutter gerufen und wollte „nach Hause“. Ich war übermüdet, habe versucht ruhig zu bleiben – und hatte plötzlich Angst: Was, wenn er stürzt, wenn ich kurz im Bad bin?
Am nächsten Morgen war klar: Wir brauchen Unterstützung. Nicht irgendwann. Jetzt.
Was wir zuerst versucht haben
Wir haben vieles ausprobiert:
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ambulante Pflege (kurz, aber zu wenig für den Alltag)
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Nachbarschaftshilfe (nett, aber nicht planbar)
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Familienplan (gut gemeint, aber im Alltag schwierig)
Das Problem war nicht die Bereitschaft – das Problem war die Realität: Pflege ist täglich. Und oft auch nachts.
Warum Betreuung zu Hause die beste Lösung war
Wir wollten keine „Heim-Entscheidung unter Druck“. Mein Vater sollte zu Hause bleiben. In vertrauter Umgebung, mit seiner Routine, seinem Wohnzimmer, seinem Bett.
Die 24-Stunden-Betreuung war für uns der Gamechanger, weil:
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jemand da ist, der den Alltag strukturiert
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Entlastung sofort spürbar wird
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Sicherheit steigt (auch nachts)
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Angehörige wieder „Tochter/Sohn“ sein können – nicht nur Pflegekraft
Was sich nach 14 Tagen verändert hat
Nach zwei Wochen hatte ich zum ersten Mal wieder Luft.
Ich konnte einkaufen, ohne Stress. Ich konnte schlafen. Und ich habe gemerkt: Entlastung ist kein Egoismus. Entlastung ist Voraussetzung, damit man langfristig da sein kann.
Mini-Checkliste – Bin ich als Angehörige:r überlastet?
Wenn du 3 oder mehr Punkte mit „Ja“ beantwortest, ist das ein klares Signal:
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Ich schlafe schlecht oder bin ständig erschöpft.
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Ich habe Angst vor Stürzen oder Notfällen.
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Ich bin emotional am Limit.
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Ich kann kaum noch arbeiten/abschalten.
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Ich fühle mich allein verantwortlich.
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Ich merke, dass meine Gesundheit leidet.
Was du jetzt konkret tun kannst
1. Situation ehrlich einschätzen (tagsüber / nachts, Mobilität, Demenz, Medikamente)
2. Entlastung priorisieren (nicht „wenn es schlimmer wird“, sondern bevor du zusammenbrichst)
3. Unverbindlich beraten lassen – damit du Optionen und Kosten realistisch kennst
Kostenloses Beratungsgespräch
Wenn du spürst, dass es zu viel wird, musst du das nicht alleine tragen.
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Fallgeschichte – Klassischer „Kipppunkt“
Woran merke ich, dass ich bei der Pflege überfordert bin?
Wenn Schlaf, Gesundheit, Arbeit oder Beziehungen leiden, ist das ein starkes Signal. Häufig sind es besonders die Nächte, die Angehörige an die Grenze bringen.
Welche Hilfe gibt es, wenn ambulante Pflege nicht reicht?
Je nach Bedarf: Tagespflege, stundenweise Entlastung, Verhinderungspflege – und bei umfassendem Unterstützungsbedarf eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause.
Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich Unterstützung hole?
Nein. Unterstützung bedeutet nicht „abgeben“, sondern Verantwortung sinnvoll teilen.





