Pflegegrad beantragen – Schritt-für-Schritt-Anleitung 2026
Pflegegrad beantragen – Schritt-für-Schritt-Anleitung 2026
Wenn ein Angehöriger zunehmend Unterstützung im Alltag benötigt, stellt sich schnell die Frage: Wie beantrage ich einen Pflegegrad – und worauf muss ich achten?
In diesem Leitfaden erhältst du eine klare Schritt-für-Schritt-Anleitung, erfährst, welche Leistungen dir zustehen und wie du dich optimal auf die Begutachtung vorbereitest.
Was ist ein Pflegegrad?
Ein Pflegegrad bestimmt, wie stark die Selbstständigkeit einer Person eingeschränkt ist und welche finanziellen Leistungen von der Pflegekasse gewährt werden.
Seit 2017 gibt es fünf Pflegegrade:
|
Pflegegrad |
Bedeutung |
|---|---|
|
Pflegegrad 1 |
Geringe Beeinträchtigung |
|
Pflegegrad 2 |
Erhebliche Beeinträchtigung |
|
Pflegegrad 3 |
Schwere Beeinträchtigung |
|
Pflegegrad 4 |
Schwerste Beeinträchtigung |
|
Pflegegrad 5 |
Schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen |
Schritt 1: Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen
Der Antrag ist unkompliziert:
-
Telefonisch bei der Pflegekasse
-
Schriftlich per formloses Schreiben
-
Online über viele Krankenkassen-Portale
👉 Wichtig: Das Antragsdatum zählt.
Ab diesem Tag werden Leistungen rückwirkend gewährt.
Schritt 2: Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD)
Nach Antragstellung beauftragt die Pflegekasse den
(bei Privatversicherten: MEDICPROOF).
Ein Gutachter kommt nach Hause und bewertet die Selbstständigkeit anhand von sechs Modulen:
-
Mobilität
-
Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
-
Verhaltensweisen & psychische Problemlagen
-
Selbstversorgung
-
Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen
-
Gestaltung des Alltagslebens
Schritt 3: Punktebewertung & Pflegegrad-Einstufung
Je nach Punktzahl erfolgt die Zuordnung:
|
Punkte |
Pflegegrad |
|---|---|
|
12,5 – 27 |
Pflegegrad 1 |
|
27 – 47,5 |
Pflegegrad 2 |
|
47,5 – 70 |
Pflegegrad 3 |
|
70 – 90 |
Pflegegrad 4 |
|
90 – 100 |
Pflegegrad 5 |
Welche Leistungen stehen mir zu?
Mit einem anerkannten Pflegegrad erhältst du unter anderem:
-
Pflegegeld (bei häuslicher Pflege)
-
Pflegesachleistungen
-
Entlastungsbetrag (125 € monatlich)
-
Verhinderungspflege
-
Kurzzeitpflege
-
Zuschüsse für Wohnraumanpassung
-
Beiträge zur Rentenversicherung für pflegende Angehörige
💡 Je höher der Pflegegrad, desto höher die Leistungen.
Typische Fehler beim Antrag
Viele Angehörige unterschätzen:
-
Den tatsächlichen Pflegeaufwand
-
Psychische Einschränkungen
-
Nachtbetreuung
-
Dokumentationspflicht
👉 Tipp: Führe vor dem Gutachtertermin ein Pflegetagebuch über mindestens 7 Tage.
MDK-Termin: So bereitest du dich optimal vor
-
Alle Medikamente bereitlegen
-
Arztberichte sammeln
-
Pflegetagebuch vorzeigen
-
Nichts beschönigen
-
Angehörige sollten anwesend sein
Wichtig: Beschreibe immer den schlechtesten Tageszustand, nicht den besten.
Was tun bei Ablehnung oder zu niedrigem Pflegegrad?
Du kannst innerhalb von 1 Monat Widerspruch einlegen.
-
Schriftlich bei der Pflegekasse
-
Gutachten anfordern
-
Medizinische Unterlagen ergänzen
Ein Widerspruch lohnt sich häufig.
Reicht der Pflegegrad für eine gute Versorgung?
Viele Familien stellen fest:
Trotz Pflegegrad und Pflegegeld reicht die Unterstützung nicht aus – besonders bei Demenz oder hohem Betreuungsbedarf.
In solchen Fällen kann eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause eine sinnvolle Ergänzung sein.
Sie ermöglicht Sicherheit, Entlastung für Angehörige und ein würdevolles Leben im eigenen Zuhause.
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FAQ – Häufige Fragen zum Pflegegrad
Wie lange dauert die Bearbeitung?
In der Regel 2–5 Wochen.
Kann man rückwirkend Pflegegeld erhalten?
Ja, ab dem Datum der Antragstellung.
Muss ich für den Antrag etwas bezahlen?
Nein.
Kann der Pflegegrad wieder aberkannt werden?
Ja, bei deutlicher Verbesserung des Gesundheitszustands.
👉 Wichtig:
Eine seriöse Vermittlung arbeitet transparent, legal und nachvollziehbar – ohne versteckte Kosten.
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